Klinik Lohrey

Geschichtlicher Rückblick


Dr. med. H.J. Engel


„50 Jahre im Dienste Ihrer Gesundheit“ - 1958 bis 2008 -, diese Zeitspanne ist es wert, näher betrachtet zu werden, etwas über die Menschen und ihr Werk zu berichten. Da ich selbst bereits 20 Jahre in der Klinik Lohrey mitgestalten konnte und mit den Firmengründern Karl und Josefa Lohrey verbunden war beziehungsweise bin, möchte ich gerne einen geschichtlichen Rückblick geben.

Doch benötigt jedes historische Verständnis erst einmal etwas an Wissen über die damalige Zeit der noch jungen Bundesrepublik.
Gern wird der Begriff der „Nachkriegszeit“ bemüht. Dieser Begriff besagt jedoch nur aus, dass der Zeit ein Krieg vorausging, nämlich der Zweite Weltkrieg. Konkrete Inhalte bleiben in der Bezeichnung „Nachkriegszeit“ verborgen oder sind Spielwiese von Halbwissen und Hörensagen. Lassen Sie uns daher klären und in Erinnerung rufen, was 1958 an Ereignissen war und uns dann Bad Soden-Salmünster und der Klinik Lohrey zuwenden.

Die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft treten in Kraft; Belgien, Niederlande und Luxemburg schließen den Benelux-Vertrag; unter dem Atomium geht in Brüssel die erste Weltausstellung der Nachkriegszeit zu Ende; Frankreich hat bereits mit dem Krieg in Algerien die Nachkriegszeit rein sprachlich beendet. Der russische Sputnik 1 verglüht beim Wiedereintritt in die Atmösphäre, die USA positionieren ihren ersten Satelliten mit dem Namen Explorer 1. Die Berliner Kongresshalle wird als Geschenk von der Benjamin-Franklin-Stiftung an die Stadt Berlin übergeben. Pius XII verstirbt, und mit Angelo Giuseppe Roncalli als Johannes XXIII heißt es wieder „habemus papam“. 1958 ist die Bundesrepublik im Aufbau, das beginnende Wirtschaftswunder zeichnet sich ab. Doch Trümmerreste sind in den Städte noch vorhanden.

Wichtiger noch sind die Menschen in dieser Zeit. Bedenken wir, dass 1955 die letzten Gefangenen aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrten, dass Flüchtlinge und Vertriebene noch nicht richtig neu ansässig waren und noch keine neue Heimat hatten, dass Menschen zu Hunderttausenden aus der sowjetisch besetzten Zone auswanderten.

Doch es geschah auch sozialpolitisch Bedeutungsvolles in dieser Nachkriegszeit und hatte Auswirkungen auf unseren hessischen Kurort. Das Preussische Staatsministerium hatte ihn am 5. Juni 1928 zum „Bad“ erhoben und fortan hieß die Stadtgemeinde Soden im Kreis Schlüchtern „Bad Soden bei Salmünster“, ein Jubiläum, das wir auch in diesem Jahr feiern durften. Aus dem im Aufstreben befindlichen Kurort der Vorkriegszeit sollte sich jetzt ein modernes Sozialbad entwickeln. Hintergrund ist das Rentenversicherungsneuregelungsgesetz des Jahres 1957.

Der Gesetzgeber betraut die Sozialversicherungsträger mit Maßnahmen der Erhaltung, Besserung und Wiederherstellung des Gesundheitszustandes der Versicherten. Diese Gunst der Stunde erkannten die politisch Verantwortlichen in Bad Soden und umwarben alle Versicherungsanstalten der Bundesrepublik.

In dem Buch „Geschichte des Heilbades Bad Soden-Salmünster“ von Georg-Wilhelm Hanna aus dem Jahr 1986 heißt es dazu:
„Am 1. April 1957 kam die Familie Lohrey nach Bad Soden und erwarb unterhalb des Marienheimes einen als Pension konzipierten Rohbau in landschaftlich besonders reizvoller Lage in den Augärten. Dieses Haus wurde noch im gleichen Jahr ausgebaut, um Kurgäste aufzunehmen. Die Suche nach einem Belegungsträger führte schnell zum Erfolg. Die Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz mit Sitz in Düsseldorf zeigte großes Interesse.“

„ Die LVA-Rheinprovinz kam mit einer Kommission nach Bad Soden, prüfte das Haus und seine Einrichtung. Die personelle Besetzung wurde besprochen und schließlich die Akzente für eine langjährige Zusammenarbeit gesetzt. Die Belegungszusage der LVA-Rheinprovinz ließ nicht lange auf sich warten. Der erste Tagespflegesatz lag bei 9,50 DM.“
„Die ersten Patienten aus dem Rheinland reisten am 17. Juli 1958 an. Dieses Datum ist deshalb bemerkenswert, weil es den Neubeginn einer durch die Rentenversicherungsträger mitgeprägten Entwicklung von Bad Soden kennzeichnet. Die städtischen Kureinrichtungen waren zu diesem Zeitpunkt erst im Entstehen.“

Hanna berichtet weiter: „Die Kurklinik Lohrey war in Bad Soden das erste Haus, das eine größere Anzahl an Sozialversicherten aufnahm. Die landeseigene LVA Hessen folgte in Bad Soden dieser Entwicklung nach zwei Jahren.“

„Im Jahr 1973 konnte der Neubau der Klinik in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig wurde eine eigene Badeabteilung mit Bewegungsbad und allen für die balneologische Behandlung erforderlichen Einrichtungen eröffnet. Die Klinik verfügte über umfangreiche diagnostische Möglichkeiten wie Röntgeneinrichtung, EKG, Labor und Spirometrie. Die Anforderungen der Versicherungsträger haben sich im Lauf der Jahre gewandelt. War die Unterbringung in Mehrbettzimmern anfangs selbstverständlich, so war die Forderung inzwischen gewachsen. Einzelzimmer mit eigenem Bad und WC sowie ein Balkon am Zimmer gehören zum Standard, der bereits 1972 in der Klinik Lohrey berücksichtigt worden war.“

1987 erfolgte der Abriß des 1957 erworbenen sogenannten Altbaues. Auf Betonpfählen wegen des Schwemmlanduntergrundes entstand bis 1988 der heutige B-Bau mit Speisesaal, Sporthalle, Krankengymnastikabteilung, Haustechnik und zwei Bettenstationen. Diese Stationen waren bereits behindertengerecht ausgebaut mit begehbaren und rollstuhlgerechten Nasszellen.

Nach fast 40 Jahren übergaben Karl und Josefa Lohrey die Klinik an ihre Tochter Christiane Lohrey. Entscheidende wirtschaftliche Veränderungen in der Rehabilitationslandschaft finden gleichzeitig statt. Bereits 1993 nimmt die Klinik Lohrey an einem Modellprojekt der Rentenversicherung teil, d. h. Heilverfahren von flexibler Dauer werden etabliert. Im Klartext wurde die Verweildauer in den Rehabilitationsmaßnahmen von 4 auf 3 Wochen reduziert.
Gleichzeitig war ein Erweiterungsbau, der sogenannte C-Bau mit 54 Betten wirtschaftlich empfohlen worden, um die Klinik günstig im Wettbewerb zu positionieren.

Im Rahmen umfassender Nachfolgeregelungen wurde die Klinik Lohrey unter Beibehaltung des Familiennamens 2003 von Herrn Hartwig Barthold übernommen und ab dem 01.01.2003 unternehmerisch in die PRISMA Gruppe integriert. Der weitere Rückgang der Reha-Patienten musste durch Patienten der Anschlussheilbehandlung ausgeglichen werden. Dies war aufgrund der bestehenden Wettbewerbsbedingungen am Standort, aber auch im Raum Südhessen, ein sehr schwieriges Unterfangen.

Erhebliche Anstrengungen der Unternehmensführung, Einsatz und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter sowie der Einsatz von Kapital- und Finanzmitteln haben die Klinik Lohrey schließlich wieder zu einem erfolgreichen Unternehmen am Gesundheitsmarkt gemacht. Dabei hat sich die Integration in eine Firmengruppe und die damit verbundenen Synergieeffekte durchaus bewährt. Erforderliche strukturelle Anpassungen gingen dabei einher mit der notwendigen räumlichen und technischen Erneuerung der Klinik auch unter strategischen Gesichtspunkten.

Wandlungen in der Gesundheitspolitik haben Veränderungen der Klinik Lohrey bewirkt. Die Versicherten der Rentenversicherungsträger sind deutlich rückläufig. Anschlussheilbehandlungen überwiegen bei weitem, insbesondere Anschlussheilbehandlungen nach Gelenk- und Gelenkersatzoperationen, nach Unfällen und wirbelsäulenchirurgischen Eingriffen.

Da die gesundheitspolitischen Maßnahmen keineswegs abgeschlossen sind und weitere Veränderungen mit dem demographischen Wandel in der Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems anstehen, hat sich die Klinik jetzt hin orientiert zur Rehabilitation älterer Menschen. Im Jahre 2008 konnte der Versorgungsvertrag um die geriatrische Rehabilitation erweitert werden.

Somit sieht sich die Leitung und Führung der Klinik gut positioniert für die künftigen Jahre im Gesundheitswesen und besonders im Gesundheitsmarkt in Bad Soden-Salmünster, um die bisher 50-jährige Tradition aufrecht zu erhalten.

Frau Lohrey und Herr Lohrey †